1900
Kommerzienrat H. Gesell formulierte diese Neuorientierung im Jahre 1902 in seiner Denkschrift "Neuorganisation der Goldschmiedeabteilung bzw. der Goldschmiedeschule". Dieser Anstoß zeigte Wirkung: Bereits im Jahre 1903 kam es zu einer Umarbeitung des Lehrplanes der Goldschmiedeabteilung, die den Fächern Freihandzeichnen und Modellieren größere Bedeutung verlieh. Im selben Jahr trat der Bildhauer P. P. Pfeiffer die Zeichenlehrerstelle an. Seine spezielle Aufgabe war der Ausbau des Modellierunterrichtes. Von ihm stammt die "Geschichte der Goldschmiedeschule" in zwei Bänden aus den Jahren 1929-1930. Schließlich kam es zur Loslösung der Goldschmiedeabteilung von der Gewerbeschule.

Seit 1905 besaß die Stadt Pforzheim eine eigenständige Goldschmiedeschule mit 1016 Schülern. Mit der Leitung wurde ein hervorragender Kenner von Schmuckgeschichte, der Schmuckentwerfer und Journalist Prof. Rudolf Rücklin betraut. Der gebürtige Pforzheimer hatte zuvor eine zwölfjährige Lehrtätigkeit an der Kunstgewerbeschule ausgeübt und gab der Schmuckindustrie durch seine kompetenten und kritischen Kommentare wertvolle Impulse.

Direktor Rücklin hatte gleich nach Amtsantritt das Fachlehrersystem wieder eingeführt. Ein Nachteil der Schule lag im fehlenden Schulzwang. Erst 1908-1909 wurde aufgrund eines Ortsstatutes, das der neu gebildete Goldschmiedeschulbeirat ausgearbeitet hatte, für die Industrielehrlinge die dreijährige Schulpflicht eingeführt.